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2. Mai 2026·4 Min. Lesen

Wenn die Umgebung Teil der Behandlung ist

Méloée Lassauce · Ostéopathe D.O.
Wenn die Umgebung Teil der Behandlung ist

Es ist nicht nur ein Gefühl: Sobald man die Tür einer Praxis durchschreitet, bewertet und reagiert der Körper. Die Forschung zu Healing Environments bestätigt dies. Hier erfahren Sie, wie jedes Detail der Praxis so gestaltet wurde, dass die Behandlung beginnt, bevor wir uns auch nur das erste Wort gesagt haben.

Wir bemerken es nicht immer, aber sobald wir die Tür einer Praxis durchschreiten, aktiviert sich etwas. Der Körper bewertet, bevor ihm überhaupt die erste Frage gestellt wurde. Fühle ich mich hier sicher? Kann ich mich entspannen? Möchte ich wiederkommen?

Man könnte meinen, das seien bloße Eindrücke. Dabei stehen sie im Mittelpunkt eines ernsthaften Forschungsfelds: dem der Healing Environments · der Untersuchung, wie ein Behandlungsraum den Zustand des Patienten direkt beeinflusst.

Eine Studie aus dem Jahr 2015 ordnet heilende Räume als eine von acht grundlegenden Komponenten optimaler Versorgung ein, gleichrangig mit der therapeutischen Beziehung oder der Intention des Behandlers. Die Umgebung einer Praxis zu pflegen bedeutet, dem Sinn der Behandlung selbst zu dienen.

Als ich meine Praxis in Luxemburg-Stadt einrichtete, habe ich jeden Detail so durchdacht, dass Sie sich dort wohlfühlen und die Behandlung beginnt, bevor wir uns das erste Wort sagen.

Wenn Farbe für Sie sorgt

Ein klarer, aufgeräumter Raum

Neutrale Farben wie Weiß- und Grautöne bieten eine ausgewogene Umgebung. Im Übermaß eingesetzt können sie jedoch als wenig einladend empfunden werden. In einem Behandlungsraum kann eine allzu neutrale Umgebung die Befangenheit des Patienten aufrechterhalten oder gar verstärken.

Die Farbwahl

Die Praxis ist um drei Haupttöne aufgebaut: Grün, Rosa und Beige, ergänzt durch Holzelemente.

Eine im Jahr 2024 veröffentlichte systematische Übersicht fasst mehrere Jahrzehnte Studien zusammen und kommt zu dem Schluss, dass kühle, ungesättigte Farben (Grün, Blau) Ruhe und Entspannung fördern, während warme Töne wie Beige und Rosa mit einem Gefühl von Komfort und Willkommensein verbunden sind. Patienten in Umgebungen mit beruhigenden Farben berichteten von einem niedrigeren Angstniveau und einer höheren Zufriedenheit mit ihrer Behandlung.

Eine koreanische Studie aus dem Jahr 2016 bestätigt, dass Nutzer von Gesundheitsräumen Grün spontan mit Gesundheit und Stressabbau verbinden und dass die am höchsten bewerteten Darstellungen im Pflegekontext jene sind, die Natürlichkeit und Klarheit evozieren.

Pflanzen

Diese Verbindung zwischen Grün und dem Natürlichen findet wissenschaftliche Unterstützung über die bloße Farbe hinaus. Studien zeigen, dass das Vorhandensein von Pflanzen in einem Behandlungsraum die Angst der Patienten und ihre Schmerzwahrnehmung signifikant reduziert. Der Effekt geht auf das zurück, was Forscher als biophile Theorie bezeichnen: unser instinktives Bedürfnis nach Nähe zum Lebendigen.

Natürliches Licht

Natürliches Licht ist einer der am meisten dokumentierten Umweltfaktoren in der Literatur zum Pflegedesign. Eine umfassende Übersicht über mehrere hundert Studien identifiziert es als einen konstanten Faktor zur Reduzierung von Stress und Angst bei Patienten. Patienten in hellen, ruhigen Räumen mit einem Gefühl von Privatsphäre berichten von höherer Zufriedenheit, sowohl mit ihrer Umgebung als auch mit ihrer Behandlung im Allgemeinen.

Konkret macht natürliches Licht den Raum lebendiger, weniger beengt, und lässt den Patienten nicht das Gefühl haben, in einer medizinischen Blase eingeschlossen zu sein.

„Die Vielfalt der Formen und die Leuchtkraft der Farben in den dem Patienten dargebotenen Objekten sind tatsächliche Mittel zur Genesung."

- Florence Nightingale, Anmerkungen zur Pflege, 1860

Florence Nightingale hatte 1860 alles verstanden

Das Bemerkenswerte an dieser wissenschaftlichen Literatur ist, dass sie lediglich bestätigt, was eine britische Krankenschwester vor mehr als 160 Jahren formuliert hat. In ihren 1860 veröffentlichten Notes on Nursing empfahl Florence Nightingale die Präsenz von Blumen, Kunstwerken und abwechslungsreichen Farben nicht als Schmuck, sondern als vollwertige Bestandteile der Pflege · und präzisierte, dass dieser Effekt physischer, nicht nur psychologischer Natur ist. Moderne Studien zum parasympathischen Nervensystem und zur Reduktion von Stressmarkern haben dies seitdem bestätigt.

Viele Studien nennen ihre Arbeiten als Ausgangspunkt für die gesamte zeitgenössische Forschung zum therapeutischen Design.

In diesem Geist hat das Aquarell mit Magnolien hinter meinem Schreibtisch seinen vollberechtigten Platz.


Quellenangaben

  • Sakallaris B.R. et al. (2015). Optimal Healing Environments. Global Advances in Health and Medicine, 4(3), 40·45.
  • Tabanejad Z. (2024). The Impact of Color in Healthcare Environments: A Systematic Review. Shiraz E-Medical Journal, 25(12).
  • Park H., Choi I. (2016). A Study on Tendency of Color Consciousness and Preference for Healthcare Environmental Color. Journal of the Korean Institute of Interior Design, 25(2), 83·91.
  • Jamshidi S., Parker J.S., Hashemi S. The effects of environmental factors on patient outcomes in hospital environments: A review of literature.
  • Ulrich R.S. et al. (2008). A Review of the Research Literature on Evidence-Based Healthcare Design. HERD, 1(3), 61·125.
  • Harris P.B. et al. (2002). A Place to Heal: Environmental Sources of Satisfaction Among Hospital Patients. Journal of Applied Social Psychology, 32.
  • Nightingale F. (1860). Notes on Nursing. Harrison and Sons.

Méloée

Ostéopathe D.O. · Luxembourg

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